Eigene Bedürfnisse wieder wahrnehmen

Es ist ganz natürlich, dass Lebewesen erkennen, was sie gerade brauchen und dann dafür sorgen, dass das Bedürfnis gestillt wird. Ein Tier stellt sich nicht die Frage „Was würde mir jetzt gut tun und wie kann ich das erreichen?“, sondern es nimmt das Bedürfnis wahr und agiert entsprechend. Empfindest du angenehme Gefühle, sind deine Bedürfnisse erfüllt. Bei unangenehmen hingegen nicht.

Da es vielen Menschen hingegen schwerfällt, wahrzunehmen, was jetzt gerade in ihnen vorgeht, was sie brauchen und nicht wissen, wie sie ihr Wohlbefinden herstellen können, muss etwas vorgefallen sein, was diese Wahrnehmung und Impulse unterbindet. Das können erlernte Verhalten sein, wie dass du dich zuerst fragst, was andere brauchen und du für sie tun kannst, z. B. um Anerkennung zu bekommen, zu einer Gruppe dazuzugehören, jemanden nicht zu enttäuschen oder um ihm zu gefallen etc. Der Verstand hinterfragt, beurteilt, ignoriert deine Bedürfnisse. Er sagt dir z. B. Dinge wie „ich darf/ kann dies oder jenes nicht, weil… “. Natürliche Impulse werden dadurch unterbunden. Je öfter das passiert, umso schlechter werden sie wahrgenommen. Die Gedanken im Kopf nehmen dafür zu und werden lauter.

Viele tendieren zudem dazu, anderen Menschen non-/verbal vorzuwerfen, dass diese nicht ihre Bedürfnisse berücksichtigen bzw. sie nicht darauf eingehen. Derweilen ist es die eigene Aufgabe, Bedürfnisse dem Gegenüber mitzuteilen und sie sich selbst zu erlauben. Andere sind nicht verpflichtet, sie zu erfüllen und oft nicht in der Lage, sie zu erkennen, wenn du sie nicht äußerst. Die wenigsten können schließlich hellsehen. Alles, was du vom Außen und anderen bekommst, ist ein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit.


Lösung

1. Nimm wahr, was jetzt gerade im Außen und vor allem deinem Inneren ist. Beobachte deine Gedanken und betrachte sie liebevoll wie einen verrückten Verwandten, den man überall mitnehmen muss.

Konzentriere dich zunehmend auf Körperimpulse, was aus deinem Körper möchte – z. B. jemanden in den Arm nehmen und setze das um – lass es einfach zu, auch wenn dir dein Kopf etwas Angst macht. Je mehr du das machst umso mehr steigt deine Selbstsicherheit.

Werde dir in Situationen oder im Umgang mit Personen darüber klar, was du in Wirklichkeit möchtest – z. B. Ruhe im langersehnten Urlaub oder Mitgefühl von anderen.

2. Befriedige deine Bedürfnisse mit Menschen/ Dingen/ Situationen, mit denen du das kannst. Äußere, was du möchtest, damit der andere auch weiß, was du möchtest.

3. Mach dich vom Äußeren unabhängig, indem du dir das Bedürfnis selbst gibst. Hast du z. B. das Bedürfnis nach Berührung, wende dich nach innen, nehme deinen Körper wahr und berühre dich selbst.

4. Du kannst dich entscheiden, unabhängig zu bleiben und das Bedürfnis trotzdem durch äußere Umstände oder mit Personen zu befriedigen.